Vienna differt inter Europae civitates Vorwort



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Vienna differt inter Europae civitates


Vorwort
Die Stadt Wien ist seit Jahrhunderten ein Ort der Begegnung unterschiedlicher Sprachen, Volksgruppen und Mentalitäten, ein Ort des Austausches, der Integration und der interkulturellen Verständigung. Ihre Lage machte sie zur Pforte zwischen Ost und West, aber auch zum Bindeglied zwischen Nord und Süd. Als kaiserliche Residenz war sie erst Zentrum des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation und später Mittelpunkt eines Vielvölkerstaats. Noch heute leistet die Stadt Wien im Herzen des Kontinents einen wichtigen Beitrag dazu, dass Europa zusammenwächst.
Bei allen Problemen, die das Aufeinandertreffen sprachlicher und kultureller Unterschiede mit sich bringt, hat es diese Stadt doch stets verstanden, das Miteinander über das Trennende zu stellen. Ihr besonderer Reiz liegt gerade in ihrer Vielfalt und der Mischung mannigfacher Einflüsse, eben einer echten Wiener Melange.
„Vienna differt inter Europae civitates“ oder kurz „Wien ist anders“ lautet das Motto der Latein- und Griechisch Bundesolympiade, die heuer, im April 2009, in der Bundeshauptstadt veranstaltet wird. Die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler werden diverse Texte zu dieser Thematik übersetzen und besprechen.
Dabei ist die vorliegende Auswahl neulateinischer Texte als Arbeitsbehelf gedacht. Sie will der Besonderheit der Stadt Wien nachgehen und versuchen, Antworten auf allerlei Fragen zu geben, die sich in diesem Zusammenhang stellen: Wie sahen und erlebten etwa im Laufe der Geschichte Ausländer und Touristen Wien und seine Bewohner? Welche Einrichtungen, Bauwerke, Kunstdenkmäler fanden Bewunderung. Was erregte eher Verwunderung? Anekdoten und Klischeehaftes bleiben dabei nicht ausgespart. Weinseligkeit fehlt ebenso wenig wie die schöne blaue Donau. Wie international war die kaiserliche Residenz? Wie versüßten sich die Reichen ihr Leben? Wo suchten und fanden hingegen die kleinen Leute schon immer ihre Freuden? Ein kurzer Anhang bietet zusätzlich Texte zu Bildungsfragen und zur Bedeutung humanistischer Bildung in Österreich.
Unser Dank gebührt besonders Frau Dr. Elisabeth Klecker vom Institut für Klassische Philologie, Mittel- und Neulatein, die als profunde Kennerin der neulateinischen Literatur Österreichs unsere Arbeit an vorliegendem Skript nicht nur mit wertvollen Tipps, sondern auch mit reichhaltigem Material unterstützte.
Möge das Opusculum seinen Leserinnen und Lesern einerseits Vergnügen bereiten und anderseits auch tieferen Einblick in das Wesen unserer Stadt und ihrer Bevölkerung gewähren!
Wien, im März 2009

Die Autoren


Inhaltsverzeichnis1
Vienna differt inter Europae civitates

Die Stadt Wien und ihre Vielfalt in lateinischen Quellen aus Mittelalter und Neuzeit




  • Niederösterreich und seine Städte
    (Johannes Cochlaeus, Brevis Germaniae descriptio VI,11-14) ………………….………… S.3

  • Wien – Eine „Weltstadt“ im 13. Jahrhundert*
    (Gutolf v. Heiligenkreuz, Translatio sanctae Delicianae) ……………………….…...…..… S.4

  • Ein Lob auf Wien
    (Redlich, M.Vatikan. Archiv II, Wien 1894, S. 333f., Nr. 312) ……….………………..…. S.5

  • Wiener Schmäh mit Veilchen – Die Neidhart-Legende
    (Ricardo Bartolini, Odeporicon, Wien 1515, S.16f) ….….…………………………........… S.6

  • Wien, Wien, nur du allein – Piccolominis Wienbeschreibung
    (Piccolomini, Historia Friderici III. imperatoris) ……………………..…………….…….... S.8

  • „Gspusi“ und „Pantscherl“ in der Fremde
    (Piccolomini, Historia de duobus amantibus, Auswahl) ………………………………..… S.13

  • Perle am Donaustrand – Wien um 1490*
    (Bonfini, rer.ung.dec.4,5,28-61 gekürzt) …………………………………………….……. S.21

  • Mädchen, pass‘ auf!*
    (Konrad Celtis, Amores elegia 2,13,37ff) ………………………………………...…….… S.23

  • Da schaut der Steffl lächelnd auf uns nieder*
    (Johannes Eck, Brief an den Bischof von Eichstätt) ………………………………...….… S.24

  • Aus Trümmern neu erstanden – Wien nach der Türkennot*
    (Petrus Paganus, Oratio in laudem Viennae, Wien 1560) ……………...…………...…..… S.26

  • Wiener Studentenglück*
    (Cropacius, Encomium Viennae, in Poemata Var.II, Nürnberg 1581, S.66ff gek.) ….....… S.29

  • Wien als fürstliche Sommerfrische*
    (Höller, Sedes Pacis Martis Austriaci, Wien 1725, §1 Origo operis S.11f) ………..…….. S. 31

  • “Geh’ ma Papst schau’n!” – Papst Pius VI. besucht Wien
    (Giulio Cesare Cordara, De profectione Pii VI.P.M., liber II, S.60ff) ……………….....… S.32

  • Wien erholt sich anders* - Der Prater und sein Lokalkolorit
    (Schittlersberg, Prater poema postumum, ed.A.Stein, Wien 1811) …….……………....…. S.34


Anhang – Wert der Bildung


  • Was ist Humanismus?
    (Aulus Gellius, Noctes Atticae 13, 17, 1f ;
    Piccolomini, Brief an Sigismund v.Österr., Graz, 5.Dez.1443) ……………………..……. S.38

  • Der Wert der alten Sprachen
    (Schittlersberg, Prater poema postumum, ed.A.Stein, Wien 1811, S.XIX) ……….……… S.39

  • Bildung und Politik in Österreich – ein Gegensatz?*
    Johann Christoph (von) Bartenstein, Brief an Bernhard Pez, 1714) ……….….…………. S.40



Niederösterreich und seine Städte
Johannes Cochlaeus (eigentl. Dobneck) wurde 1479 in Wendelstein bei Nürnberg als Sohn eines Bauern geboren. Er studierte in Köln und wurde 1510 Rektor der Lateinschule in Nürnberg. Dort verfasste er u.a. humanistische Lehrbücher. 1512 gab er in der Nachfolge des Konrad Celtis seine „Brevis Germaniae descriptio“ heraus. Cochlaeus, der später zu einem erbitterten Gegner Martin Luthers wurde, starb 1552 in Breslau. Seine Beschreibung Deutschlands enthält u.a. einen Abschnitt über Österreich (Germ.VI,11-14):


oriens hybernussol›: SO (Sonnenaufgang im Winter)

irriguus 3: bewässert

consitus 3: bepflanzt

Moravia, -ae f.: Mähren

adauctus 3: vergrößert

vitifer 3: rebenbewachsen

solum, -i n.: Boden
alienigenus 3: ausländisch
(alienigene = alienigenae)

vafer 3: schlau
persaepe: sehr oft

dito 1: reich machen

hec = haec

Austrie = Austriae
semper: auf immer

Ad› Flexum: heute Ungarisch Altenburg


(Verwechslung!)

Ptolomeus: Ptolemäus (Astronom u. Geograph 2.Jhdt.n.)

collocatio, -onis f.: Angabe

conjicio 3M: vermuten

metropolis: Hauptstadt

regia, -ae f.: Residenz

sepultura, -ae f.: Grabstätte

alumna, -ae f.: hier: Pflegerin

victualia, -ium n.Pl.: Lebensmittel

Germanie = Germaniae

Nova Civitas: Wiener Neustadt

Ladislaus Postumus: Sohn König Albrechts II. und dessen Erbe; Friedrich III. 1452 durch Belagerung gezwungen sein Mündel herauszugeben

Locus S. Leopoldi: Klosterneuburg

adinvicem: zueinander

heute: Krems, Stein, Mautern, Melk, Ybbs, Enns

Ad orientem hybernum est Austria, dicta prius Pannonia superior; nam Hungaria dicitur Pannonia inferior. Terra aquis irrigua, vitibus consita, unde vinum in Bohemiam, Moraviam ac Slesiam exportatur. Danubius perlabitur aliquot fluminibus iam adauctus. Colles ad ripam vitiferi sunt, solum frumento fecundum. Mulieres vero plerumque steriles. Quapropter plurimi alienigene illic inhabitant frequenterque ex Sueviā Bavariāque illuc confluunt, tum, quod tellus quam eorum patria magis est frugifera, tum, quod aborigenes minus sunt vafri. Quo fit, ut exteri ibi persepe et ditentur et dominentur sorteque meliore, benigniore quoque fortunā perfruantur. Subiecta autem est hec provincia archiducibus Austrie, quorum longa est iam series inter Romanos imperatores. Gaudetque nunc Maximiliano et suo et Romani imperii rectore, semper Augusto. Oppida eius sunt Vienna, olim Flexum, quantum ex Ptolomei collocatione conjicere licet, metropolis quidem totius Austrie, celeberrima imperatorum et regia et sepultura ac vetus liberalium studiorum alumna, aedificiis subterraneis egregia, vini pisciumque ac ceterorum victualium copiosa vel maxime inter omnes Germanie urbes. Item Nova Civitas, ubi Australes Fridericum ab Italiā redeuntem obsederunt Ladislaum regem puerum postulantes. Ad Danubium parva sunt oppida, Locus S. Leopoldi, Lintz Friderici regia, tria adinvicem quam proxima Chremsz, Stain et Mautera, amplius Melck, Ipß et Enß. Longitudo regionis ad sex dierum iter extenditur, latitudo autem duplo minus.




Wien – Eine „Weltstadt“ im 13. Jahrhundert*
Der Heiligenkreuzer Mönch Gutolf (2. Hälfte des 13.Jhdts) war ein Anhänger des Königs von Böhmen, Ottokar, der im Streit um Österreich König Rudolf von Habsburg letztlich unterlag. Der Zisterzienser Gutolf beschreibt im Zuge seiner „Translatio sanctae Delicianae“ auch Wien als Fürstenresidenz (Redlich-Schönbach, WSB 159/2,1908)2:


marchia, -ae f.: Mark

oppidum, -i n.: Festung

Favianis (= Mautern) wurde ab dem 11. Jhdt. irrtümlich mit Wien gleichgesetzt
Gallia, -ae f.: Frankreich

inferior (Gen. inferioris): nachstehend; unterliegend

amenissimi sitūs = ob situm amoenissimum
excresco 3, -crevi, -cretum: anwachsen

moles magni corporis: große Ausdehnung

potissimus 3: wichtigster

etsi non: wenn schon nicht

confertissimis excultus vineis: sehr dicht mit Weingärten bepflanzt

porto = habeo (Subj.: Wienna)

charus 3 = carus 3

reficio 3: erfrischen

Falernum, -i n.: Falernerwein

nemus. –oris n.: Wald

robur, -oris n.: Eiche

venatus, -us m.: Jagd

campania, -ae f.: landwirt-schaftliche Nutzfläche

insertus 3: eingefügt

paradisus, -i m.: Au

decursus, -us m.: Lauf

hiis = iis

in hoc: deshalb

preconium, -i n.: Ruhm

vendico 1 (= vindico 1): beanspruchen

rerum mercatus (-us m.): Handelsware

in quocumque rerum fructu …: bei all den Produkten, derentwegen …

glorior 1 pro (+ Abl.): stolz sein (auf)

hoc: übersetze: davon

habunde satis: mehr als genug

Est vero in hac nostrā marchiā Wienna, que olim oppidum sicut hodie, quia vetustissimus monstrat murus, a Romanis conditum Favianis dicebatur, nulli autem omnium urbium, quas vel in Germaniā vel in Galliā vel Ytaliā viderim, inferior. Que quia amenissimi sitūs specialem principum nostrorum semper meruit favorem, spreto antiquo Romanorum limite in grandem satis excrevit civitatem ita, ut iam merito non mole quidem magni corporis, sed usu mire ubertatis potissimis sit urbibus, etsi non preferenda, conferenda tamen. A muris eius parvissimo intervallo is, quem predixi, Danubius magno impetu preterlabitur. Montes a tergo versus septentrionem confertissimis excultos vineis portat, quarum charissimus liquor ita bibentem reficit, ut Falernum querere sit nefas. Ad occidentale latus munitur nemoribus magnorum roborum et venatui aptissimis, ad orientem vero ac meridiem planam agrorum faciem et plerumque campanias insertas monstrat. Florentissimis eciam paradisis ornatur iuxta decursum fluminis, et cum sit veluti porta quedam hiis, qui vel Ytaliam vel Gallias petunt, in hoc tamen speciale preconium sibi vendicat, quod ad eam de remotis mundi provinciis diversarum rerum mercatus copiose advehitur. Inde quidem fit, ut, in quocumque rerum fructu singule urbes singulariter pro se gloriari solent, hoc ista in se vel natum vel allatum habunde satis ferat.



Ein Lob auf Wien
Aus der 2. Hälfte des 13. Jhdts. stammt ein Gedicht auf Wien in „freien Rhythmen“. Der Verfasser dürfte im Kreise König Rudolfs von Habsburg zu suchen sein. Möglicherweise handelte es sich aber auch um einen fahrenden Kleriker (Redlich, Mitteilungen aus dem Vatikanischen Archiv II, Wien 1894, S. 333f., Nr. 312):



jocundus 3 = iucundus 3
constipata populis: reich an Bevölkerung

Ovidianae = puellae
(Ovid der Liebesdichter)

nemorosus 3: bewaldet



Vienna civitas gloriosa

nimis et famosa,

sita in Austriā,

salubris aëre,

jocunda flumine,

constipata populis,

Ovidianarum

multitudine redundans delicatissimarum,

fecunda terris,

vineis uberrima,

arboribus nemorosa,

quam jocundissimum est inhabitare!


Die Stadterweiterung Wiens im Mittelalter


Wiener Schmäh mit Veilchen – Die Neidhart-Legende
In einem „Odeporicon“ (Reisebericht) anlässlich einer internationalen Konferenz zwischen Kaiser Maximilian I. und den Königen Osteuropas in Wien, an der auch der Kardinal-Bischof von Gurk teilnimmt (einer seiner Begleiter, der Humanist Ricardo Bartolini, ca. 1470-1529, verfasste den Bericht), wird ein witziger Frühlingsbrauch aus der Umgebung Wiens und ein ungewöhnliches Ereignis in diesem Zusammenhang berichtet, an dem einst der bedeutende mittelhochdeutsche Dichter und Minnesänger Neidhart von Reuenthal beteiligt war (Ricardo Bartolini, Odeporicon, Wien 1515, S.16f):


interim (Adv.): einstweilen (Digression von der eigentl.Reisebeschreibung)

templum, -i n.: Stephansdom

valvae, -arum f.Pl.: Pforte

sedulo (Adv.): wissbegierig

aedituus, -i m.: Mesner

apprime (Adv.): besonders

facetus 3: witzig

indigena, -ae m.: Einheimischer
princeps: hier: Landesherr
gratia, ae f.: hier: Grund

glabella, -ae f.: „Milchgesicht“

chorea, -ae f.: Reigentanz
effusus 3: ausgelassen

indulgeo 2 (+Dat.): hier: sich hingeben

pilleus, -i m.: (Filz-) Hut

(co)operio 4, cooperui,
-opertus: bedecken

festinus 3: eilig
vis: hier: Menge

paganus, -i m.: Bauer

primitiae, -arum f.Pl.: Gabe
probe (Adv.): ordentlich
flos merdaceus: ein blühender Scheißhaufen



Sed interim paulisper iocari lubet. Templum exibamus, cum ego secundum valvas tumulum inspicio; mihi, cuiusnam esset, sedulo percontanti aedituus respondit Neythartis ossa illic condita esse. Redii domum accurateque hominis vitam inquirens urbanum apprime, ne dicam facetum, fuisse intellexi. Is cum apud duces Austriae summo esset in pretio, carus habebatur.

Mos indigenarum erat, ut, qui primus veris initio florentem violam repperisset, locum signaret, nuntiareturque principi; hac scilicet gratiā institutum, ut omnes nuptae innuptaeque puellae ac glabellae iuvenum choreas ductantes, ad locum proficiscerentur, ubi solutis paululum curis laetitiae Bacchoque efusissime indulgerent. Neythart ergo, cum violam repperisset, pilleo cooperuit, festinusque urbem ingressus principi se violam repperisse nuntiat. Nec mora, ingens virorum feminarumque vis ad locum confluit. Interim paganus quidam, cum pilleum invenisset agnovissetque primitias veris, florem sustulit locumque probe excacavit pilleoque iterum operiens abiit. Iam Viennensis iuventus aderat laetabunda, iam circa pilleum saltare inceperant, cum detecto loco pro viola flos merdaceus inventus est. Risus simul et indignatio orta est, omnes in Neydhartem inicere manūs volebant; is sibi fugā salutem comparavit.

P


villanus, -i n.: Dorfbewohner


furtum, -i n.: Dienstahl

supplicium, -i n.: Rache; Strafe

evado 3: hier: werden (zu)
ebrius 3: betrunken

paganus, -i m.: Bauer

habitus, -us m.: Aufmachung

pagus, -i m.: hier: Dorf
pactum, -i n.: hier: Ehevertrag

cubo 1, -ui, -itum: schlafen

Florenus, -i m.: „Florentiner“ („Gulden“, vgl. Fórint)

dos, dotis f.: Mitgift

auctarium, -i n.: Zugabe
aulo post cum rus iret, villanos repperit circum eandem violam saltantes agnovitque suam esse; quare concitus indignatione aliquot ex iis interfecit sumpsitque de furto supplicium. Ex illo tempore, in posterum paganorum hostis acerrimus cum evasisset, mira de eo fabulamenta narrantur. Dicunt aliquando quosdam cum ebrios fecisset, totondisse illis crines ad monachorum similitudinem, et per Danubium – aliis paganis in ripā spectantibus – circumductasse.

Semel item sumpto muliebri habitu ad quendam pagum pervenit. Nec multo post quidam credens eum feminam esse in uxorem duxit, cum hac pacti conventione, ut non prius secum cubaret, quam centum Florenus sibi tamquam dotis auctarium elargiretur; et acceptā pecuniā noctu aufugit.



Tanzszene (Neidhart-Fresken in Wien Tuchlauben 19)


Neidhart Fresken

1979 entdeckte man bei Umbauarbeiten eines bis dahin für frühneuzeitlich gehaltenen Wiener Bürgerhauses einen mittelalterlichen Freskenzyklus, den man auf Ende des 14.Jhdts datieren konnte. Die Fresken illustrieren Lieder des Minnesängers Neidhart von Reuental (ca 1180-1240), daher die Benennung der Wandbilder.



Wien, Wien, nur du allein – Piccolominis Stadtbeschreibung
Aeneas Silvius Piccolomini wurde 1405 in Siena geboren. Er beschäftigte sich schon sehr früh mit Studien der Altertumswissenschaften und Jurisprudenz und erlangte schließlich als Humanist, Dichter und Geschichtsschreiber große Bedeutung.

Sein Leben verlief sehr wechselhaft: Seine Karriere begann er als Sekretär eines Kardinals, 1442 trat er in den Dienst Kaiser Friedrichs III., als dessen Sekretär er einige Jahre in Wien verbrachte.

Später näherte er sich wieder den herrschenden kirchlichen Kreisen, wurde ein eifriger Verfechter des Papsttums. 1458 wurde er als Pius II. selbst Papst. Er plante einen Kreuzzug zur Rückeroberung Konstantinopels, starb aber bereits 1464. Sein vielfältiges Opus umfasst rhetorische, geschichtliche, erdkundliche Schriften, Gedichte, Reden und Briefe. Aus seiner Zeit als Sekretär Kaiser Friedrich III. stammt seine Beschreibung der Stadt Wien (aus der Historia Friderici III. imperatoris):
T
irriguus 3: bewässert

consitus 3: bepflanzt

vitis, vitis f.: Rebe

altrix, -icis f.: „Ernährerin“; ergänze: est
ficus, -i f.: Feigenbaum

amygdalus, -i f.: Mandelbaum

passusacinus›, -i m.: Rosine

Venetiae, -arum p.Pl.: Venedig
Moravi, -orum m.Pl.: Mährer


alluo 3: bespülen; vorbeifließen


sivesive: ob – oder ob
mutuo 1: entlehnen
ambitus, -us m.: Ring

ambitiosus 3: weitläufig

fossatum, -i n.: Grabenanlage
spissus 3: dick

propugnaculum, -i n.: Boll-werk (im 15. Jhdt. hatte Wien 6 Tore u. 19 Türme)

fornix, fornicis m.: Gewölbe
aestuarium, -i n.: heizbarer Raum

vocito 1: nennen

domito 1: bezwingen

vitreus 3: aus Glas

ostium, -i n.: Eingang
erra nobilis, aquis irrigua, consita vitibus, ligni copiosa, agro feraci fructūs omnes colligit, quorum Germania altrix. Argenti atque auri venas non habet, sale partim proprio, partim utitur importato, piscium copiosa. Oleum, ficum, amygdalum, passum ex Venetiis accipit. Vinum ipsa Bavaris, Bohemis, Moravis, Silesiis praebet; atque hinc magnae Australium divitiae. Carnes ei Ungaria ministrat.

Danubius multasque et memorabiles alluit urbes, inter quas meā sententiā nulla ditior, nulla populosior, nulla venustior est quam Vienna, Australium civitatum regionisque caput.

Verum apud Viennam parvum flumen est, quod inter suburbia fluit, nomine Vienna; ab eoque dictum oppidum putant. At sive flumen a civitate sive civitas a flumine vocabulum mutuet, id mihi non est exploratum.

Vienna igitur ambitu murorum cingitur duorum milium passuum, sed habet suburbia magna et ambitiosā fossā et vallo cincta. Urbs autem fossatum magnum habet, inde aggerem praealtum, moenia deinde spissa et sublimia, frequentes turres et propugnacula ad bellum prompta. Aedes civium amplae et ornatae, structurā solidā et firmā. Ubique fornices, aulae latae. Verum his aestuaria sunt loco tricliniorum, quae ab his „stube“ vocitantur. Nam hiemis asperitatem hoc domitant modo. Fenestrae undique vitreae perlucent et ostia plerumque ferrea. In his plurimae aves cantant.



I
supellex, supellectilis f.: Geschirr

iumentum, -i n.: Zugvieh
facies, faciei f.: Fassade

dedecus, -oris n.: Schande
later, lateris m.: Ziegel
pictus 3: bemalt


praelatus, -i m.: Prälat (geistlicher Würdenträger)

liber: hier: steuerfrei
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